21. September 2009

DIY: schnittchen - einfach nähen

Vor etwa zwei Wochen hat mich Silke auf ihre neue Seite schnittchen - einfach nähen aufmerksam gemacht. Da ich mich, wenn auch sporadisch praktizierend, zu den Anhängern von Do it yourself zähle, hat mir ihre Seite sofort gefallen. Auf schnittchen gibt es einfache Schnitte zum Download und dazu "Erste-Hilfe" in Form von Pdf-Dateien für Anfänger. Außerdem kann man sich im Forum austauschen und wird via Blog immer auf dem Laufenden gehalten über Aktionen und Tipps rund ums Nähen. Das kommt euch alles bekannt vor? Ja, es erinnert schon an Burda Style, aber diese komplett deutsche Seite ist für Anfänger sehr empfehlenswert, da alles verständlich ist. Sie hat ihren ganz persönlichen Charme und ich werde ihre Entwicklung interessiert verfolgen und hoffen, dass in Zukunft ähnliche Projekte ihren Weg ins Netz finden.
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Weil ich das alles so spannend finde, habe ich Silke gleich ein paar Fragen gestellt.

M: Wie/Wann bist du auf die Idee zu "Schnittchen" gekommen und auf den Namen?

S: Die Idee einen Schnittmusterversand aufzubauen gibt es schon seit 5 Jahren und ich hatte diese Idee schon unter anderem Namen (Silkes Schnittmuster) verwirklicht. Die Idee kam - ich bin eigentlich Kunsthistorikerin von Beruf und habe für mehrere Ausstellungsprojekte gearbeitet - weil ich selber sehr viel genäht habe und immer auf der Suche nach coolen Schnitten war, diese aber auf dem deutschen Markt schwer zu finden waren.
Nach der Geburt meines Sohnes vor knapp 3 Jahren lief der Shop zwar weiter, ich habe die Seite aber nicht mehr groß aktualisiert. Dann vor gut einem Jahr, wollte ich noch einmal ran und das endete dann damit, dass ich das ganze Konzept und den Look umgestellt habe. Der Name "schnittchen" ergab sich aus dem neuen Ansatz, denn schnittchen sollten nur noch einfache, schnell zu verwirklichende Modelle sein. Auch die Zielgruppe habe ich klarer definiert und mich noch stärker auf "jüngere" Hobbyschneiderinnen konzentriert (ca. 17 - 35 Jahre). Dazu passte irgendwie der Begriff schnittchen.
schnittchen sollen auch in Zukunft einfache und dennoch trendy Modelle sein, die auch Anfängerinnen in den Griff bekommen können, bzw. die sich von erfahrenen Näherinnen schnell verwirklichen lassen.
Neu an dem Konzept war auch, dass ich eine Plattform (Forum) installieren wollte, wo sich Selbermacher(innnen) und auch andere Modebegeisterte austauschen können, und eben einen Blog, wo der Blick hinter die Kulissen möglich ist und ich meine Projekte, Visionen und Inspirationen vorstellen kann.

M: Wie kommt ein Schnitt ins Netz? Also, was passiert von der Idee bis zur Veröffentlichung?

S: Das ist ein relativ langer, aufwendiger Weg. Zunächst müssen die Modelle entworfen werden. Dann gehen die Ideen & Skizzen an eine Schnitttechnikerin, die daraufhin die Schnitte erstellt. Bei diesem Arbeitsschritt sind natürlich mehrere Besprechungen über Passform, Accessoires & Stoffqualitäten notwendig. Wenn die Schnitttechikerin den Schnitt digitalisiert hat, geht es bei mir mit dem Layouten der Schnitte los. D.h. die Mehrgrößenschnitte müssen erstellt und dem CI angepasst werden. Dann muss natürlich noch die Nähanleitung geschrieben, der Lageplan erstellt und alle Informationen zu Stoffmengen & benötigten Kurzwaren zusammen getragen werden. Beim den Schnitten zum Downloaden müssen diese natürlich noch weiter bearbeitet werden, so dass am Ende z.B. ein DIN A0 Bogen in mehrere DIN A4 Bögen unterteilt ist und von der Kundin am eigenen Rechner ausgedruckt werden kann. Ein bestimmtes Raster, das auch angelegt werden muss, hilft der Kundin dann beim Zusammenkleben der Schnitte.
Zur Veröffentlichung der Schnitte müssen natürlich alle Modelle genäht, (d.h. es müssen Stoffe etc. ausgesucht werden) und dann fotografiert werden. Dafür wiederum sind ein Modell, ein Fotograf, eine Visagistin, eine Stylisten, ein Studio. Dann müssen die Fotos ausgewählt, bearbeitet und ins Netz bzw. auf die Nähanleitung gebracht werden.
Ach ja, und dann sind da noch die technischen Zeichnungen. Diese müssen auch von jedem Modell erstellt werden, damit man ganz genau sehen kann, wo welche Naht verläuft und das Modell in seiner Grundstruktur und unabhängig vom Stoff erkennen kann.

M: Glaubst Du, dass sich die DIY-Szene noch stark entwickeln wird und es zukünftig noch mehr Seiten wie Schnittchen geben wird?

S: Ich hoffe sehr (und glaube auch) dass sich diese Szene weiterentwickeln wird. Vielleicht nicht so rasant und offensichtlich wie andere Märkte, aber ich denke schon, dass das eigene (Er)Schaffen von Dingen in der heutigen Zeit ein ganz wichtiger Gegenpol zu Stress, Konsum und Gleichmacherei sein wird. Mit Selbstgemachtem kann man sich ja ganz wunderbar von anderen absetzen und das ist ja, was viele heutzutage wollen. Außerdem hat z.B. ein Nähabend etwas absolut Meditatives, d.h. man beschäftigt sich auf der einen Seite mit seinen Visionen, auf der anderen Seite aber auch mit seiner eigenen Fingerfertigkeit.
Es wäre schön, wenn es mehr Seiten wie schnittchen für alle möglichen kreativen Bereiche geben würde. Denn ich glaube, es ist wichtig, dass Handarbeit endlich das Hausmütterchenimage ablegt und junge Leute inspiriert werden, mehr selbst zu machen. Ob das der Fall sein wird, bestimmt dann letztendlich wieder der Kunde/die Kundin...